Von der überzeugungskräftigen Schatzmeisterin der Amnesty-Studentengruppe habe ich mich überzeugen lassen, bei der „collecte“ mitzumachen. Eine Woche lang mit einer Sammelbüchse vor Supermärkten stehen oder von Haus zu Haus gehen. Natürlich alles freiwillig und auch nicht wirklich eine Woche lang: „So viel Zeit wie du erübrigen kannst eben“. An Haustüren sammeln ist in den Niederlanden im Gegensatz zu Deutschland nicht illegal, aber es muss genehmigt werden und ist auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt. Für Amnesty eben jene Woche.
Ich hatte angegeben, auf keinen Fall alleine gehen zu wollen, aber in meinem Bezirk gab’s sonst niemanden. Habe einmal mit ein paar anderen vorm Supermarkt gestanden und bin einmal mit einer anderen in ihrem Bezirk unterwegs gewesen. War ganz witzig. Dann noch 2 Stunden in „meinem“ Viertel unterwegs gewesen. Es gilt neuerdings als „Problembezirk“. Problembezirk mit Reihenhäusern. Alles relativ.
Es wurde sehr schnell ziemlich kalt, aber nach den ersten paar Türen war es gar nicht mehr schlimm, bei fremden Leuten zu klingeln und mein Sprüchlein aufzusagen. Die meisten waren freundlich, haben was gegeben und mir Erfolg gewünscht. Ein paar Mal kam „Amnesty? Da machen wir nicht mit.“, aber nie böse. Eine Frau: „Amnesty? Weiß nicht mal was das ist!“ :O
Am schönsten war es eigentlich, wenn Kinder aufgemacht haben:
„Ich hab nicht viel Geld, aber hier!“
In einem Haus kamen plötzlich aus allen Ecken Kinder, 5 oder 6, die noch ein paar Cent gefunden hatten.
Ein kleiner Junge guckte durch den Briefschlitz und rief zu seinen Eltern: „Es sind die Geldbringer!“ *lach*
Und ein anderer kleiner Junge kam raus, während seine Mutter das Portemonnaie suchte und sagte: „Ooh, schöne Sterne! Oder? Guck mal, da blinkt einer!“ Das war auch schön.
Insgesamt habe ich keine Rekordsummen eingesammelt, weil ich nicht viel Zeit und ein nicht so reiches Viertel hatte, aber auf Stunden umgerechnet ganz ordentlich. Und zu meiner Überraschung würde ich es sogar nochmal machen.
Als Dankeschön einen Kinogutschein bekommen, wird morgen eingelöst.
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Zitate von „deutscher Kameradin“ Anna:
„Bis wann müssen wir den Auftrag einliefern?“
(abgeben=inleveren)
„Burger King ist echt fies.“
(eklig=vies)
„Ich musste so hart lachen.“
(laut lachen=hard lachen)
Bei den beiden letzteren bin ich mir aber nicht sicher, ob man das in NRW nicht auf Deutsch auch so sagen kann. Die Leute da machen komische Sachen.
Des Weiteren zu erwähnen: Mein häufigerer Gebrauch des Wortes „gesellig“ mit niederländischer Bedeutung. Rechtschreibprobleme:
„vervolgen … äh verfolgen? nee sieht auch falsch aus. verwolken, so!“
Filosofie sieht gar nicht mehr so schrecklich aus.
EDIT: Habe inzwischen NRW-Expertin befragt, die mir sagte, dass „fies schmecken“ und „hart lachen“ dort ganz normal sind, genauso wie „ich bin die Zeitung am lesen“. Die spinnen, die Wessis… :p